Leben, Gesundheit & Persönliches

Guck mal, die hat Magersucht! – Das Leben mit einer Essstörung: Teil 1

Nicht selten habe ich es erlebt, dass Menschen tatsächlich mit dem Finger auf mich gezeigt haben. Eigenartige Blicke und Getuschel war ich längst gewohnt, doch die Spitze war eine amerikanisch sprechende Dame in Barcelona.
Als sieh mich sah quietschte sie und rief lauthals ihrem Begleiter zu: „Uhh look at that girl!

Warum machen Menschen so etwas?

Das Erscheinungsbild einer Person mit starkem Untergewicht ist auffällig, Ja. Darüber hinaus ist es auch alles andere als schön. Trotzdem sind das keine Gründe, die ein solches Verhalten gegenüber Betroffenen rechtfertigen.

Häufig sehen die Leute das Äußere und man wird unumgänglich in eine Schublade gesteckt: „Die hat zu viel Germany’s Next Topmodel geguckt & wollte auch so aussehen.“ Es mag sein, dass es Mädchen & auch Jungs gibt, die das Essen verweigern um dünner zu werden. Aber das ist lange nicht bei allen so. Es gibt unzählige andere Ursachen, die eine Essstörung auslösen können. Jeder Krankheitsverlauf ist

2012

individuell und letztendlich kann niemand die inneren Vorgänge einer betroffenen Person nachempfinden.

Ich kann nur für mich sprechen und bei mir waren beispielsweise weder eine Kleidergröße, noch eine Zahl auf der Waage die Auslöser. Durch meine sportlich geprägte Vergangenheit hatte ich einen schlanken und recht trainierten Körper, mit dem ich im Großen und Ganzen zufrieden war. Mein Problem war der Kopf. Tiefe Trauer und angestauter Frust, die eine wahnsinnige Appetitlosigkeit mit sich brachten.

Es gibt Leute, die bei Trauer größere Mengen essen und eben die, denen der Appetit vergeht. Ich gehöre zur zweiten Sorte. Durch die Appetitlosigkeit aß ich erst ein bisschen weniger, dann noch etwas weniger… und irgendwann kommt man in eine Spirale, bis man die Kontrolle vollkommen verliert.

Eins steht fest: Ich habe das NIE MIT ABSICHT gemacht, ich habe das NIE GEWOLLT!

Eure Sophie

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