Leben, Gesundheit & Persönliches

Körperschemastörungen & Selbstwahrnehmung bei Essstörungen

Wahrscheinlich kennen viele von euch das typische Tumblr-Bild von dem dürren Mädchen, welches in den Spiegel blickt und zahlreiche Fettrollen an ihrem Körper sieht. So ist es bei mir nicht.

April 2016

Ich sehe keine schwabbelnden Polster’chen, ich nehme meine Gliedmaßen im Gesamten voluminöser wahr. Beispielsweise sehe ich keine dürren Beinchen, sondern anständige Oberschenkel. Mein Spiegelbild zeigt mir selbst das Äußere einer „Durchschnittsfrau“.

Das führt dazu, dass mir regelmäßig Tränen in die Augen schießen, wenn Fotos von mir entstehen, weil ich mich jedes Mal erschrecke, wie ich scheinbar tatsächlich aussehe. Ich schäme mich augenblicklich für das dort zu sehende Erscheinungsbild.
Es gab sogar eine Zeit, da  konnte ich es nicht mal auf Bildern sehen, so stark waren die verstörten Gedanken. Heute weiß ich, dass dieser Körper weder zu meinem Alter, noch zu meiner Größe passt.

Dennoch ist Wissen & Fühlen ein enormer Unterschied. Vielleicht kann man es mit einer „Rot-Grün-Schwäche“ vergleichen: Sagt eine betroffene Person etwas sei rot, dann sagt sie das, weil sie es eben so sieht. Wenn ich in den Spiegel sehe, kann ich kein Untergewicht sehen, weil ich es so wahrnehme. Es klingt absolut absurd und ja, das ist es auch!

Unzählige Male habe ich meinen Vater gefragt, wie sowas möglich sei. Wie kann ich mich im Spiegel so anders sehen, als auf Fotos? Es gibt kaum etwas, was ich mir sehnlicher wünsche, als mich selbst realistisch betrachten zu können. Ich bin 19 Jahre alt und möchte auch so aussehen! Wenn man mit dem Alter und einer Größe von 1,76 Metern nicht in eine Zara Größe 32 passt, kann etwas nicht stimmen!

Juli 2017

Wenn man das Untergewicht nicht wahrnehmen kann, fällt das Zunehmen umso schwerer. Warum sollte man auch Gewicht aufbauen, wenn man sich mit einem durchschnittlichen Körper sieht. Dann würde man ja „fett“ werden. Ein Glück bin ICH mittlerweile stärker, als die verklärenden Gedanken, denn ICH weiß dass ich mich selbst verzerrt sehe und die Zahl auf der Waage nicht ausreicht, um damit gesund zu leben.

Eines Tages werde ich eine junge gesunde Frau im Spiegel sehen und sie wird nicht nur in meinem Kopf existieren, sondern tatsächlich LEBENDIG sein.

Eure Sophie

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