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Eating disorder/recovery talk – ja oder nein?

Um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht, wie ich diesen Blogpost beginnen soll.
Mittlerweile bekomme ich so viele Nachrichten von Personen, die sich durch meine Beiträge angesprochen/verstanden oder motiviert fühlen, dass ich es selbst nicht glauben kann. Jede dieser Nachrichten ist ein wahnsinniges Kompliment für mich. Ich habe keine Worte dafür, wie es sich anfühlt, wenn mir jemand sagt, dass ich ihr oder ihm Kraft geben kann.

Genau deshalb teile ich meine Geschichte: Um Betroffenen Mut zu geben und Angehörigen die Hintergründe zu erklären, um für besseres Verständnis zu sorgen. Ich möchte Hoffnung und Zuversicht wecken.

Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich damals im brenzlichsten Untergewicht zu Frauen aufgesehen habe, die die Krankheit besiegt haben. Wie ich ihre Beiträge nahezu verschlungen habe, mich endlich verstanden fühlte und dankbar für jede Zeile war.

Der Weg aus einer Essstörung ist wahnsinnig nervenzehrend und scheint in manchen Momenten unvorstellbar, doch das ist ein Trugschluss. Eine Genesung ist möglich und wenn ich auch nur ein kleines bisschen dazu beitragen kann, jemandem diesen Weg etwas zu erleichtern, bin ich überglücklich.

Dennoch ist es auch ein zweiseitiges Schwert. Der Grad zwischen hilfreichen Einblicken, die für besseres Verständnis des Krankheitsbildes sorgen und möglichen Triggerpunkten für Betroffene ist bedenklich schmal.

Meine größte Angst ist, dass jemand von meinen damaligen Fehlern liest und sie als Anleitung versteht, der Krankheit noch mehr Raum zu gewähren. Ich war so tief in dieser bitterbösen Spirale, dass mir die Tränen kommen, wenn ich daran denke, was ich früher für einen Mist gemacht habe.

Heute habe ich aus meinen Fehlern gelernt und kann mit klarerem Blick auf die Zeit zurückschauen. Auf der anderen Seite erinnere ich mich noch ganz genau an die düsteren Gedanken, an die Zwänge und Ängste, die mir damals durch den Kopf tobten. Manchmal fühlt es sich fast an wie ein eigenes Forschungsprojekt, da ich das Erlebte mittlerweile sowohl mit normalem Menschenverstand, als auch aus der verzerrten Sicht des kranken Mädchens von damals betrachten kann.

Am liebsten würde ich mich mit jeder Person, die mir ihr Herz ausschüttet in Ruhe zusammen setzen und mich so lange mit ihr/ihm unterhalten, bis alle Ängste, Fragen und Sorgen geklärt sind. Nun komme ich mittlerweile allerdings kaum noch mit dem Antworten hinterher. Das ist definitiv keine Beschwerde, ich möchte jederzeit helfen so gut es mir nur möglich ist. 

Aber bitte versteht auch, dass es einige Zeit dauern kann, bis eine Rückmeldung kommt oder es teilweise sogar passieren kann, das Mal eine Nachricht untergeht. Das ist niemals eine Absicht von mir und ich versuche es bestmöglich zu vermeiden. Jedoch bin ich nur ein Mensch und mein Tag hat ebenso nur 24 Stunden, wie für jeden anderen auch. 

Als ich neulich nachts nicht schlafen konnte, ist mir daher folgende Idee durch den Kopf gegeistert: Würdet ihr gerne Skype- oder FaceTime-Gespräche mit mir führen wollen?

Ich würde das ganze nicht als Coaching und erst recht nicht als Therapie bezeichnen.
Ich bin weder ausgebildeter Berater, noch Arzt oder Therapeut.

Aber ich bin den steinigen Weg vom Krankenhausbett zurück ins eigenständige Leben mit Hund und Studium gegangen, was ich selbst damals nicht für möglich gehalten hätte.
Und um ehrlich zu sein, haben mir solche Facetime-Gespräche mit der lieben Sina von mutimbauch.de damals gefühlt mehr geholfen, als die Gesprächsversuche mit diversen Therapeuten.

Dieses „Angebot“ soll sich allerdings nicht nur an betroffene Personen selbst richten, auch für Fragen und Sorgen von Angehörigen/Freunden und Verwandten möchte ich zur Seite stehen. Mittlerweile kann ich nur zu gut nachvollziehen, wie unergründlich das Verhalten von essgestörte Person nach Außen mitunter scheint. 

Lasst mich gern wissen, was ihr von dieser Idee haltet. Womöglich war es auch bloß eins meiner typischen nächtlichen Hirngespinste. Bloß würde ich so gern einen realisierbaren Weg finden, für die die es möchten da zu sein.

An dieser Stelle sende ich eine ganz große Umarmung an jeden, der meinen Beitrag bis zum Schluss gelesen hat. Ich bin unendlich dankbar für all eure Unterstützung, die lieben Worte und das Feedback, welches mich tagtäglich erreicht.

Eure Sophie

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